Sabine Scho - Schriftstellerin

Foto © Matthias Holtmann

alle gesegneten tiere gehören zum haus / aufs feld, spazieren nicht vogelfrei, 2020

65 Poster, je 80 x 60 cm, Audioinstallation

Fotografien: Matthias Holtmann und Sabine Scho
Text: Sabine Scho
Audio: Sabine Scho (deutsch), Claudia Bellanca (italienisch)

Sabine Scho, 1970 geboren, ist eine fotografierende Autorin, die sich in Wort und Bild immer wieder mit der Tierwelt und ihrer oftmals komplizierten Beziehung zur Gattung Mensch auseinandersetzt. Die Mauer, die den Garten der Villa Massimo und die darin lebenden vier- und zweibeinigen Wesen wie einen Hortus Conclusus umgibt, wird zum Träger von 65 Postern, die zwei ganz unterschiedliche Tierbegegnungen der Autorin während ihres Romaufenthaltes und ein daraus resultierendes Gedicht zeigen.
Am 17. Januar, dem Festtag des Heiligen Antonius, fotografierte Sabine Scho zusammen mit ihrem Partner Matthias Holtmann die Segnung der Haustiere vor der Kirche des Heiligen Eusebius an der Piazza Vittorio. Obwohl der Heilige Antonius eigentlich der Schutzpatron der Schweine ist, werden in dieser Zeremonie heutzutage fast keine Nutz-, sondern fast ausschließlich domestizierte Haustiere gesegnet.
Die Poster der zweiten Serie zeigen ausschnitthaft unterschiedlichste Vogeldarstellungen, die sich im Fresko des Gartensaals der Villa di Livia im Museo Nazionale Romano Palazzo Massimo befinden. Es handelt sich bei dieser Illusionsmalerei um die weltweit älteste Gartendarstellung – sie kann in die Zeit von 40-20 v. Chr. datiert werden – und ist in Genauigkeit und Detailreichtum der Darstellung von Flora und Fauna einzigartig. Die farbigen Fotografien zeigen eine Vielzahl von unterschiedlichen Arten von Vögeln, halten zugleich aber auch den physischen Verfall des Freskos und damit das zunehmende Verschwinden der Tiere fest.
Das Gedicht von Sabine Scho, einerseits als Poster abgedruckt, andererseits als Tonspur im öffentlichen Raum erlebbar, verknüpft die beiden Tierbegegnungen, bringt den Heiligen Franziskus und seine Vogelpredigt mit ins Spiel und macht uns nachdenklich: welchen Tieren geben wir Raum und Wert? Nehmen wir all die Lebewesen, die neben dem Menschen die Stadt und die weitere Umwelt bevölkern, überhaupt noch wahr? Merken wir ihr Verstummen und Verschwinden?

Birgit Frank

Jay Schwartz

Jana Gunstheimer

Gordon Kampe

Jorg Sieweke

Stefan Mauck

Esther Preußler

Nezaket Ekici

Beate Kirsch

Stefan Hanke